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Macht, Technologie und Ressourcen in der internationalen Ordnung

Innovationsfähigkeit und Ressourcenkonflikte bilden zentrale Macht- und Ordnungsfaktoren im internationalen System. Daher widmet sich ihnen die Arbeit der ACGO-Forschungsgruppe. Untersucht wird vor allem, wie sich globale Ordnung unter Bedingungen technologischer Disruption, (geo-)strategischer Rivalität und institutioneller Erosion verändert, und unter welchen Voraussetzungen kooperative Regelungsformen entstehen, stabil bleiben oder scheitern.

Der Analysefokus widmet sich dabei den politischen, institutionellen und strategischen Faktoren, die nationale Positionen, Verhandlungsstrategien und Implementationsbereitschaft prägen, und wie diese Faktoren unter Bedingungen zunehmender Multipolarisierung auf Kooperation, Blockade oder Eskalation wirken. Ziel ist es, Machtverschiebungen aufgrund von Technologie- und Ressourcenpolitik nicht primär normativ zu diskutieren, sondern systematisch zu erklären und empirisch messbar zu machen.

Die Arbeit von ACGO verbindet insoweit zwei eng verzahnte Forschungsstränge:

(1) Disruptive Technologien, militärische Innovation und internationale Ordnung

Der erste Strang untersucht, wie disruptive Technologien (u. a. Autonomie in Waffensystemen, KI-gestützte militärische Anwendungen, neue physikalische/biochemische Prozesse und andere technologische Innovationen) das Kräfteverhältnis, die Abschreckungslogik und die Eskalationsdynamik verändern. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Beschleunigung von Entscheidungszyklen, die Undurchsichtigkeit komplexer technischer Systeme, die Delegation tödlicher Entscheidungen auf solche Systeme und die Unsicherheit hinsichtlich Fähigkeiten und Absichten gelegt.

Davon ausgehend untersucht ACGO, welche Regulierungsansätze – von Definitions- und Nutzungsbeschränkungen bis hin zu rechtlichen Standards, vertrauensbildenden Maßnahmen sowie Export- oder Technologiekontrollen – unter verschiedenen geopolitischen Bedingungen realistisch, verifizierbar und wirksam sein können.

Forschungsschwerpunkte sind:

  • Multilaterale Rüstungskontrollverhandlungen und deren institutionelle Entwicklung
  • Determinanten und Prädiktoren nationaler Staatenpositionen
  • Herausforderungen durch neue und disruptive Technologien
  • Rüstungsexportkontrollen und Dual-Use-Governance
  • Aufbau und Analyse quantitativer Datensätze zu Verteidigungsausgaben mit Fokus auf R&D-Mittel

(2) Kritische Rohstoffe, Wertschöpfungsketten und Multipolarisierung

Der zweite Forschungsstrang untersucht die Rolle strategischer Rohstoffe, wie Seltene Erden und andere kritische Metalle, als strukturelle Machtressourcen im internationalen System. Rohstoffe gelten in der sicherheitspolitischen Forschung jeher als maßgebliche Machtindikatoren. Die Forschungsgruppe fragt, wie Abhängigkeiten in globalen Wertschöpfungsketten, staatliche Industrie- und Exportpolitiken, Ressourcennationalismus oder Extraktionskonflikte zur Verschiebung geopolitischer Einflussverhältnisse beitragen.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der geopolitischen Folgenabschätzung von Rohstoffkonzentration, der Resilienz sicherheitsrelevanter Lieferketten sowie der politischen Instrumentalisierung strategischer Ressourcen in Machtkonkurrenzen.

Forschungsschwerpunkte sind:

  • Multilateralisierung in Ressourcen- und Sicherheitspolitik
  • Kritische Rohstoffe und sicherheitspolitische Dynamiken (insb. Seltene Erden)
  • Machtprojektion im Südchinesischen Meer und Indopazifik
  • Strategische Entwicklungen in der Arktis
  • Proliferationsdynamiken im Nahen und Mittleren Osten sowie in Südasien

Analyserahmen und Zugang

Methodisch kombiniert ACGO theoriegeleitete quantitative Text- und Datenanalysen sowie explorative Fallstudien mit vergleichenden Designs. Eine zentrale Komponente der Froschung ist die systematische Operationalisierung nationaler Positionen in internationalen Verhandlungsforen – basierend auf Erklärungen, Abstimmungsverhalten und Dokumenten – und deren Verknüpfung mit erklärenden Variablen aus der nationalen und internationalen Politik.

Mit diesem Ansatz generiert ACGO zum einen Datensätze zur genaueren Erforschung der Bedingungen staatlichen außenpolitischen Verhaltens. Zum anderen werden die generierten Daten für Szenarioanalysen und strategische Vorausschau furchtbar gemacht, beispielsweise durch die Identifizierung von Verhandlungsstrategien, Lock-in-Effekten und roten Linien nationaler Positionen oder realistischen Kompromisskorridoren in internationalen Verhandlungen.

Der Mehrwert von ACGO liegt damit v. a. in der datengenerierenden Integration von internationaler Ordnung, Technologie und Ressourcen in einen kohärenten Erklärungsrahmen. Die Forschungsgruppe entwickelt interdisziplinäre Modelle und Messkonzepte, um zu erklären, warum Staaten eine bestimmte Außenpolitik wählen und verfolgen.

Die Ergebnisse werden in Wissen für politische und sicherheitspolitische Entscheidungsträger transferiert, darunter evidenzbasierte Bewertungen von Stabilitäts- und Eskalationsrisiken, analytische Beiträge zu unterschiedlichen Regulierungsdebatten und Strategien zur Stärkung der Resilienz und Vertrauensbildung in wettbewerbsorientierten Sicherheitsumfeldern.

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