Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Prof. Dr. Christian Oberländer

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Sozialwissenschaften und historische Kulturwissenschaften
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Dissertationen

Katharina Dalko, M.A. (Rechtspopulismus in Japan)

Rechtspopulismus in Japan - Kommunikationsstrategien im Zeitalter der Neuen Medien

Die Rolle der Medien als Vermittler zwischen Politik und Bürgern ist in der wissenschaftlichen Forschung seit jeher von großer Bedeutung. Die Entwicklung der Massenmedien, die Medialisierung nahezu aller gesellschaftlichen Bereiche sowie sich verändernde technischen Voraussetzungen sorgten für einen stetigen Wandel politischer Kommunikation. Insbesondere die aufkommenden Neuen Medien haben Wahlkampfstrategien und die Kommunikation zwischen Politik und Bürgern stark beeinflusst.

Mit dem wachsenden Erfolg populistischer Strömungen weltweit gewann der politische Einfluss Neuer Medien in den letzten Jahren zunehmend an Relevanz für die wissenschaftliche Forschung. Denn populistische Kommunikationsstrategien erwiesen sich in verschieden Studien nicht nur als besonders erfolgreich, sondern auch als besonders gut an die sich verändernde Medienlandschaft angepasst. Für den Aufschwung der rechtspopulistischen Akteure in Europa und Nordamerika wird den Medien deshalb sogar eine Mitverantwortung zugesprochen. Gleichzeitig zeigten sich Rechtspopulisten als besonders geschickt darin, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter für eigene Zwecke zu nutzen.

Auch in Japan etablierten sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf der lokalen wie nationalen politischen Ebene zunehmend populistische Kräfte, die sich insbesondere durch ihre charakteristischen Kommunikationsstrategien auszeichnen. Während zu Wahlerfolgen und Agenda einzelner populistischer Politiker Japans bereits einige wissenschaftliche Beiträge entstanden sind, sind Kommunikationsstrategien japanischer Rechtspopulisten bisher kaum erforscht. Insbesondere der Zusammenhang zwischen neuen Medien und dem Aufkommen populistischer Strömungen wurde bisher außer Acht gelassen. Aus diesem Grund wird sich das folgende Dissertationsprojekt mit der Rolle der Neuen Medien im Kontext des Aufschwungs rechtspopulistischer Politiker in Japan beschäftigen.

Hierzu werden die Erkenntnisse der Medialisierungstheorie zunächst den Merkmalen populistischer Kommunikationsstrategien in Japan gegenübergestellt. Eine Analyse japanischer Blogeinträge mithilfe des digitalen Analysetools TopicExplorer soll weiterhin zeigen, welche Rolle rechtspopulistische Politiker innerhalb der japanischen Blogszene einnehmen. Dabei werden auch die Rezeption und der Einfluss medialer Aktivitäten betreffender Politiker untersucht.

Das Projekt wird durch ein sechsmonatiges Stipendium der Max Weber Stiftung am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) unterstützt.


Michael Dietrich, M.A. (Gelehrsamkeit in Japan)

Die Entwicklung der Gelehrsamkeit im Japan des 17. Jahrhunderts -  unter besonderer Berücksichtigung der Rolle regionaler Fürsten (Arbeitstitel)


Nicole Müller, M.A. (Die japanische Thomas Mann-Rezeption)

Einhundert Jahre japanische Thomas Mann-Rezeption im digitalen Topic Modeling - vergleichende Übersetzungsanalyse unter Einbezug historischer Kontexte

Nach gut zweihundertjähriger Abschottung gegenüber dem Westen verhandelt das post-Meijizeitliche Japan das Verhältnis zwischen Eigenem und Fremdem in Übersetzungen des westlichen Literaturkanons. Die im Laufe des 20. Jahrhunderts in großer Zahl entstehenden Übersetzungsvarianten zu Romanwerken Thomas Manns sind bedeutende Zeugnisse der so initiierten literarischen Assimilation und Emanzipation, doch wissenschaftlich bisher unzureichend aufgearbeitet. Hier ermöglicht die im Promotionsprojekt entwickelte digitale Übersetzungsanalyse durch Topic Modeling nicht allein eine quantitative Ausweitung des Gegenstandsbreiches, sondern einen qualitativ neuartigen, mit argumentativem Präzisierungszwang einhergehenden Interpretationsmodus: Distant Reading. Es synchronisiert Leitmotiv- bzw. Themenstrukturen, die die Thomas Mann-Werke Buddenbrooks und Tonio Kröger in deutschsprachigem Original und japanischsprachiger Übersetzung inhaltlich charakterisieren, erstmals auf der Ebene der Gesamtnarration. Im Verbund mit der quantitativ-rechnerischen Erfassung sowohl thematischer als auch stilistischer Ähnlichtkeitsrelationen operationalisiert das Projekt damit einen historisch kontextualisierbaren Übersetzungsvergleich von bislang undenkbarer Komplexität.

Das Promotionsprojekt wurde/wird durch Promotionsstipendien des DAAD (2017/18) sowie der Haniel-Stiftung gefördert.

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Martin Genzow, M.A. (Die Schneidwarenindustrie in Japan)

Die Forschung zur Schneidwarenindustrie in Japan beschränkt sich meist auf die historische Blankwaffenproduktion, jedoch ist Japan auch heutzutage noch ein weltweit bedeutender Standort der Schneidwarenindustrie. Im Dissertationsprojekt soll die japanische Schneidwarenindustrie im Kontext der Industrialisierung Japans untersucht werden. Zu diesem Zweck soll die Entwicklung der drei bedeutendsten Zentren innerhalb Japans, Seki, Tsubame/Sanjō und Sakai, untersucht werden.
Ferner sollen die japanischen Standorte mit europäischen Schneidwarenzentren verglichen werden, in deren Entwicklung es interessante Parallelen gibt, sowohl in der geschichtlichen Entwicklung als auch aktuelle Herausforderungen der Industrie betreffend.


Sebastian Hofstetter, M. A. (Alternative Pflegeorganisation in Japan)

Aktivitäten von Workers Collectives (u.ä. Organisationen) zur Pflege und Versorgung älterer Menschen in Japan zwischen Vorgaben der Pflegeversicherung und gesellschaftlichem Bedarf – das Fallbeispiel der Workers Collective in Kanagawa (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt untersucht Workers Collectives, die nach dem Prinzip der geteilten Verantwortung versuchen, eine intensive pflegerische Versorgung und die Mitverantwortung des lokalen Gemeinwese und der Gesellschaft zu verbinden. Dabei ist zu beobachten, dass seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 2000 die Zahl der sich in der (v.a.) ambulanten Pflege engagierenden Workers Collectives beständig zunimmt. Hier setzt diese Arbeit an: Sie lotet Möglichkeiten und Probleme aus, mit denen sich Workers Collectives konfrontiert sehen, die sich in der Pflege älterer Menschen in Japan engagieren.

Die Frage lautet dabei, welche Rolle die Workers Collectives bei der Versorgung älterer Japaner in einer postindustriellen japanischen Gesellschaft spielen und welche Konzepte sie entwickeln, um innovativ die pflegerische Versorgung älterer Menschen zu gewährleisten.

Theorie und methodisches Vorgehen:

Zunächst wird das Thema Workers Collectives in den Kontext einer gegenwärtigen Theoriendiskussion, um neue Wohlfahrtsmixturen verortet. In einem nächsten Schritt wird anhand der Rekonstruktion am Fallbeispiel der Workers Collective Kanagawa aus der gegenwärtigen Praxis dargestellt, welche Formen derzeit die Arbeit der Workers Collectives in Japan annimmt. Eine These der Arbeit stellt dabei die Annahme dar, dass Workers Collectives offensichtlich auf ein „soziales Kapital“ zurückgreifen, das von der Zusammenarbeit mit Freiwilligen und Angehörigen, über die Eintragung als Verein bis hin zu lokalen Partnerschaften mit anderen Organisationen reicht.

Abschließend soll diskutiert werden, ob Workers Collectives eine sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Pflegeangeboten für Ältere darstellen und so drängenden Problemen der japanischen Überalterungsgesellschaft entgegengewirkt werden kann.

Das Dissertationsprojekt wurde durch zwei Kurzzeitstipendien des DAAD „Partnerschaften mit Korea und Japan“ im Jahr 2012 und 2014 gefördert. 2013/14 wurde das Dissertationsprojekt durch ein Stipendium der Max-Weber-Stiftung am DIJ in Tōkyō unterstützt. Das Dissertationsprojekt wurde außerdem mit Mitteln der Haniel-Stiftung gefördert.


Anne Lange, M. A. (Neue Religionen der Zwischenkriegszeit in Japan)

Die Meidōkai

– Untersuchung einer Neuen Religion der Zwischenkriegszeit –

(Arbeitstitel)

Die Forschung zu Neuen Religionen in Japan konzentrierte sich bisher vor Allem auf die Aufarbeitung der Religionsgeschichte der späten Edo- sowie der Meiji-Zeit. Die Zwischenkriegszeit rückte bei der Betrachtung der Geschichte der Neuen Religionen bisher kaum in das Blickfeld der Forscher, obwohl gerade im Zeitraum von Mitte der Taishō-Zeit bis zum Ausbruch des Zweiten Sino-Japanischen Krieges einen sprunghaften Anstieg der Zahl neureligiöser Gruppierungen beobachtet werden kann. Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen des Dissertationsprojekts ein Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Neuen Religionen der Zwischenkriegszeit geleistet werden. Als Untersuchungsobjekt dient dabei die in der Forschung noch wenig beachtete Meidōkai, eine 1928 von dem Arzt Kishi Ichita gegründete Neue Religion. Betrachtet werden sollen schwerpunktmäßig die Gründungs- und Etablierungsphase der Meidōkai sowie die Phase der Verfolgung, also der Zeitraum zwischen 1928 und 1931/32. Da die Meidōkai im Hinblick auf ihre Gründung, Etablierung und Verfolgung einen Schnittpunkt verschiedener gesellschaftlicher Phänomene und Prozesse bildet, kann sich ihre Untersuchung als besonders fruchtbar erweisen um einen Einblick in die Entwicklungen in der japanischen Gesellschaft, Wissenschaft und Religionspolitik der frühen Shōwa-Zeit zu erlangen.

Das Dissertationsprojekt wird mit Mitteln der Haniel-Stiftung gefördert.


Stefan Peßler, M. A. (Entwicklung der Vokalharmonie im Japanischen)

Das altaische Japan
– Zu den Relikten der altaischen Vokalharmonie im Altjapanischen –

Die  typologische Zuordnung der japanischen Sprache zur Gruppe der  altaischen Sprachen gründet sich auf signifikante Übereinstimmungen im  Bereich von Morphologie, Syntax und Lexik. Ein Merkmal der altaischen  Sprachen, welches das Japanische allerdings vermissen läßt, ist  Vokalharmonie. Mit Blick auf den Lautbestand des Altjapanischen (7./8.  Jahrhundert), insbesondere auf die charakteristische Phonotaktik der  Vokale, soll gezeigt werden, daß es sich hierbei um Reste einer  Vokalharmonie handelt, die ihren Ursprung in den altaischen Sprachen  hat.
Das Dissertationsprojekt wird mit Mitteln der Haniel-Stiftung und des DAAD gefördert.


Britta Stein, M.A. - (Prähistorische Archäologie Japans)

Handel und Austausch in Eurasien am Beispiel des kofun-zeitlichen Japan (Arbeitstitel)

Das Projekt wird durch 18-monatiges Promotionsstipendium der Gerda Henkel Stiftung gefördert.


Juliane Schulz, M. A. (Volksabstimmungen und direkte Demonkratie in Japan)

Japans „neue“ neue soziale Bewegung – Mobilisierungs- und Handlungsstrategien zur Ausweitung der direkten Demokratie in Japan: Die Bürgergruppe Minna de kimeyō ‚genpatsu‘ kokumin tōhyō (Arbeitstitel)

Eine der neuen sozialen Bewegungen, die nach der Dreifachkatastrophe 2011 in Japan entstanden ist, ist die Bürgergruppen Minna de kimeyō ‚genpatsu‘ kokumin tōhyō, die im Juni 2011 in Tōkyō gegründet wurde. Diese Bürgergruppe fordert, in die Entscheidung über die Zukunft der Kernenergie auf lokaler/kommunaler und nationaler Ebene direktdemokratische Elemente einzubeziehen. Das primäre Ziel der Bürgergruppe ist jedoch nicht die Abschaffung der Kernenergie an sich, sondern die Aufklärung und die Mobilisierung der Bürger, sich an der politischen Willensbildung zu beteiligen und die direktdemokratische Einflussnahme als Mittel der Partizipation einzufordern. Dabei unterscheiden sich die Aktivitäten von Minna de kimeyō ‚genpatsu‘ kokumin tōhyō grundlegend von anderen sozialen Bewegungen im Umfeld der Kernenergie-Problematik.

Am Fallbeispiel der Bürgergruppe Minna de kimeyō ‚genpatsu‘ kokumin tōhyō wird in diesem Dissertationsprojekt untersucht, ob die Aktivitäten neuer sozialer Bewegungen zu einer Ausweitung der direkten Demokratie in Japan führen können. Es wird analysiert, welche Methoden der Kommunikation und welche Strategien zur Erreichung des politischen Ziels durch die Bürgergruppe ergriffen werden. Des Weiteren wird herausgearbeitet, welche Eigenschaften die Bürgergruppe Minna de kimeyō ‚genpatsu‘ kokumin tōhyō kennzeichnen und was das Neue und Charakteristische an dieser sozialen Bewegung ist. In diesem Zusammenhang wird der Frage nachgegangen, wer die Mitglieder sind, was ihre Motive sind und welche Strategien zur Identitätsbildung innerhalb der Gruppe herangezogen werden.

Mit der Analyse dieser Mobilisierungs- und Handlungsstrategien der Bürgergruppe wird der Frage nachgegangen, ob die Aktivitäten zur Ausweitung direktdemokratischer Elemente und die Mobilisierung des Volkes eine Chance im Umgang mit den sozialpolitischen Problemen Japans darstellt.

Das Dissertationsprojekt wurde durch zwei Kurzzeitstipendien des DAAD „Partnerschaft mit Korea und Japan“ im Jahr 2012 und 2014 gefördert. 2015 wird das Dissertationsprojekt mittels eines dreimonatigen Stipendiums am DIJ in Tōkyō unterstützt.


Franziska Steffen, M. A. (Neue Religionen und Medizin in der Meiji-Zeit)

Inshi Tenri Renmon Kyō - zwischen Aberglaubensvorwurf und Religionsanerkennung. Die Formierungsphase der Neuen Religionen Tenrikyō und Renmonkyō als Teil der ‚magischen Moderne‘ Japans“

Die Neuen Religionen (shinshūkyō) Japans, die sich seit ihrer Entstehung im 19. Jh. wachsender Mitgliederzahlen erfreuen, sind im Zeitalter der erklärten Rationalisierung ein faszinierendes, jedoch v.a. unter dem Sektenbegriff studiertes Phänomen. Ausgangspunkt dieses Forschungsprojekts ist die Beobachtung, dass der historischen Forschung die Verortung der Neuen Religionen in der Moderne nicht schlüssig gelingt, weil sie auf ideologisch aufgeladenen, überholten Theorien beruht. Diese sind erstens die Idee einer ausschließlich rationalen Moderne in Weberschen Sinne, die die Frage nach dem Wesen von Magie und Aberglauben in der Moderne von vorneherein ausblendet. Zweitens geht es um die Verwendung eines nach dem Christentum modellierten westlichen Religionsbegriffs, der oft unreflektiert auf die Religionen der Edo- und Meiji-Zeit übertragen wurde. Beide Theorien dienten dazu, die Neuen Religionen trotz oder gerade wegen ihrer ersten Blütezeit um die Jahrhundertwende aus der Moderne auszuschließen.

Mithilfe eines neutral (bzw. als Zuordnung) verstandenen Magiebegriffs soll sich daher mit der Geschichte des sich formierenden Aberglaubensbegriffs in der japanischen Moderne befasst werden, um aus dem o.g. theoretischen Dilemma auszubrechen. Begreift man den Aberglaubensvorwurf als diskursives Instrument, lässt sich anhand von zwei gewählten Beispielen, den Neuen Religionen Renmonkyō und Tenrikyō, der Meiji-zeitliche Diskurs um Aberglauben fassen und somit das Wesen einer „magischen Moderne“ offenlegen.


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